“Weiterführende Schule nur dank Paten”

Storkow (MOZ) Chaos auf den Straßen von Kampala, ständige Einbrüche, das Eröffnen eines Kontos ein Abenteuer, ebenso der Ersatz eines plattgefahrenen Reifens. Humorvoll schildert der Potsdamer Marcel Horning in seinem Tagebuch 2008 die Erlebnisse und Eindrücke der ersten Monate des deutschen Schulprojektes Uganda, die er auch in dem Buch “Chaosplanet Uganda” niedergeschrieben hat.

 

Dafür aber sind die Menschen dort “stolz, aufgeschlossen und freundlich”. Das wiederum hat Ruth Germershausen aus Philadelphia erlebt. Die ehemalige Lehrerin, die sowohl Marcel Horning als auch Anke Dreier-Horning in Storkow zum Abitur geführt hatte, war bereits dreimal in Uganda. Sie besuchte dort ihre zwei Patenkinder Esther und Salomo, die zu den ersten Schülern der unter der Leitung von Anke Dreier-Horning und Marcel Horning durch den Schulverein Uganda e. V. aufgebauten Victoria High School gehörten.

Zu einer Informationsveranstaltung “Uganda in Storkow”, die von den beiden durchgeführt wurde, kamen am Freitagabend auf die Burg rund fünfzig Besucher, vor allem die Patenklasse des Projekts, die das Schulgeld für eine Schülerin sammelt, sowie andere Paten und Unterstützer. Es ging zum einen um die “Begegnung mit dem Fremden”, zum anderen um einen Bericht über den heutigen Stand des Schulprojektes.

Ihre Erlebnisse bei der Begegnung mit dem Fremden trugen Marcel Horning und Ruth Germershausen als Deutsche in Uganda sowie Isaac Kanyoro, der seit vier Monaten einen Freiwilligendienst in Deutschland absolviert, als Ungandaer in Deutschland vor. Es waren lustige, inspirierende Geschichtchen, aber auch frustrierende, verstörende und Kopfschütteln hervorrufende. Auch Isaac Kanyoro brachte seine Zuhörer zum Schmunzeln, als er freimütig seine Erfahrungen mit der eigenen Unpünktlichkeit zum Besten gab, die in Deutschland gar nicht so gut ankam. Ruth Germershausen wiederum, die während ihrer Aufenthalte in Uganda auch Schulen und ein Waisenhaus besuchte, brachte ihre Erschütterung über ihre Eindrücke in dem Waisenhaus zum Ausdruck, in dem viele Kinder unter schweren Krankheiten leiden.

Anke Dreier-Horning und Marcel Horning hatten als Studenten Uganda besucht und festgestellt, dass es viele Grundschulen, aber nur wenige weiterführende Schulen in Uganda gibt. Der Hauptgrund für viele Familien, ihre Kinder nicht in eine weiterführende Schule zu schicken, sei das hohe Schulgeld. Der ursprüngliche Plan, kein Schulgeld zu erheben, sei allerdings nicht zu realisieren gewesen. Dafür komme es darauf an, Paten zu finden, die helfen, das Schulgeld für ihre Patenkinder zu finanzieren. Von nur einem reichlichen Dutzend Schülern am Anfang hat sich der Besuch auf 120 Schüler erweitert. Jährlich werden davon 15 als Patenkinder betreut, und neun Patenkinder konnten bereits zum Abitur geführt werden.

Der 2006 mit Sitz in Potsdam gegründete Verein, der unter anderem mit dem Verkauf von gespendeten Büchern in einem Vereinsladen Geld sammelt, hat sich auch für 2015 wichtige Aufgaben gestellt. Es gilt den Deutschunterricht zu stabilisieren, die Lehrerbezahlung abzusichern, ein Internat zu bauen und das Patenschaftsprogramm zu erweitern. Weitere Unterstützer werden also dringend gebraucht.

Infos: www.uganda-laden.de; schulverein.uganda@gmail.com

 

Quelle: MOZ vom 23.03.2015

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